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Hunderte erweisen Aktivistin Cáceres in La Esperanza die letzte Ehre (C) Giorgio Trucchi, 2016
Hunderte erweisen Aktivistin Cáceres in La Esperanza die letzte Ehre (C) Giorgio Trucchi, 2016

 

  

November 2017, Honduras. Polizeiliche Ermittler im Mordfall Berta Cáceres festgenommen. Der Mord an Aktivistin Cáceres ist nach wie vor nicht geklärt. Ermittler sollen Beweismittel manipuliert haben. Beschuldigte sollen Tonband der Mordplanung nach Cáceres Tod gefälscht haben. Aktueller Bericht auf amerika21.de

 

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Mai 2016, Honduras/München/Wien. Trotz Festnahmen scheint der Fall im Sand zu verlaufen. Eine internationale, unabhängige Untersuchungskommission wird gefordert.

 

Wochenlang war nichts über die Ermittlungen im Fall Berta Cáceres zu hören. Die international bekannte Umweltaktivistin war Anfang März in ihrem Haus erschossen worden. Die Vermutungen, dass es sich um einen politischen Mord handelt, bestätigen sich nun. Anfang dieser Woche wurden vier Verdächtige festgenommen. Zwei der Männer stehen in Zusammenhang mit DESA, also jener Betreiberfirma des Staudammprojektes, gegen das sich Cáceres mit ihrer Menschenrechtsorganisation COPINH in den vergangenen Jahren vehement eingesetzt hat. „Der internationale Druck auf die honduranische Regierung ist immer stärker geworden“, analysiert José Asunción Martínez beim Gespräch in München. Der COPINH-Delegierte ist jene Aufklärungsreise durch Europa angetreten, die Cáceres kurz vor ihrem Tod geplant hatte. „Für die Öffentlichkeit werden sie jetzt rasch die materiellen Täter verurteilen, um die Masterminds dahinter zu schützen“.

 

Berta Cáceres kämpfte seit mehr als 20 Jahren um die Rechte der indigenen Bevölkerung und den Schutz der Naturgüter in Honduras. Seit 2012 setzte sie sich insbesondere gegen den Bau des Staudammprojektes Agua Zarca in der Region Río Blanco ein. Die Gründe dafür: Nach dem Putsch 2009 wurde eine Konzession für den betreffenden Abschnitt des Flusses Gualcarque mithilfe gefälschter Unterlagen illegal an die Betreiberfirma DESA vergeben. Dabei ist das Gebiet unantastbares Land der indigenen Lenca, der Fluss für die Bevölkerung heilig. Die laut ILO-Konvention 169 vorgeschriebenen Konsultationen der Gemeinden wurde nicht druchgeführt, Protokolle und Unterschriften nachweislich gefälscht.

 

In der Öffentlichkeit wurde das Projekt so verkauft, dass es Land und Bevölkerung Ressourcen-schonende Energie bringen würde. Nachdem klar war, dass das ursprüngliche Staudammprojekt nicht durchsetzbar war und die nötigen Umweltstudien nur auf dem Papier erstellt worden waren, verlegte man die Bauarbeiten Mitte 2015 auf die andere Flusseite und will nun das Wasser in unteriridischen Tunneln in ein Laufwasserkaftwerk ausleiten. Für die örtlichen Lencagemeinden verhindert auch dies das freie Fließen des Gualcarque. Sie fürchten zudem den Verlust der Lebensgrundlage. Denn die Vegetation würde vertrocknen, mit ihr die ursprüngliche Fauna und die Maisfelder. Seit über dreieinhalb Jahren informieren COPINH und internationale NGOs die transnationalen Investoren und Projektpartner darüber. Dazu zählen die holländische, finnische und zentralamerikanischen Entwicklungsbanken FMO, FinnFund und CABEI. Sowie Turbinenlieferant Voith Hydro, an dem Siemens mit 35 Prozent beteiligt ist.

 

Das chinesische Unternehmen Sinohydro war bereits nach dem Mord an einem Aktivisten im Juli 2013 aus dem Projekt ausgestiegen. Berta Cáceres hatte mit COPINH einen friedlichen Widerstand organisiert. Dafür wurde sie 2015 mit dem renommierten Goldman-Prize ausgezeichnet. Trotz internationaler Aufmerksamkeit verdichteten sich seit dem erneuten Baubeginn im zweiten Halbjahr 2015 die Todesdrohungen gegen die vierfache Mutter. Als sie die Informationsreise durch Europa plante, um die Projektinvestoren zum Rückzug zu bewegen, wurde sie ermordet.

 

Am Montag kam es zur Festnahme von vier Verdächtigen. Laut der honduranischen Tageszeitung „El Heraldo“ ist der mutmaßliche Täter ein 25-jähriger Auftragskiller. Dieser habe die Tat bereits gestanden. Der Auftraggeber sei ein Manager der DESA gewesen. Die operative Vorbereitung des Mordes soll über einen Major der honduranischen Armee gelaufen sein. Der ehemalige Vize-Sicherheitschef der Staudamm-Betreiberfirma DESA soll dann den Auftragsmörder angeheuert haben. Auf den honduranischen Journalisten Felix Molina, der kurz nach den Verhaftungen in einem Dossier auf Facebook die Eigentumsverhältnisse der DESA und die familiären Vernetzungen ihres Geschäftsführers mit führenden Persönlichkeiten der regierenden Nationalen Partei offenlegte, wurde am Dienstag ein Schuss-Attentat verübt. Mit Glück überlebte er.

 

Voith Hydro gab nun Mitte der Woche bekannt, die Lieferungen für das Kraftwerk Agua Zarca einzustellen. Allerdings nur vorübergehend. Für Kritiker ein erneuter Verstoß gegen die UN-Leitpinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte, die verpflichten, sich nicht an Menschenrechtsverletzungen mitschuldig zu machen. „Die bisherigen Morde und Attentate müssten Anlass genug sein, dass alle Investoren sofort aus dem Projekt aussteigen“, sagt Asunción Martínez. Der Profit steht weiter vor der Gerechtigkeit, das Recht wird weiter gebeugt. Sogar der Fall Berta Cáceres läuft Gefahr, nach weltweiten Wellen im Sand zu verlaufen. Die sofortige Installation einer unabhängigen internationalen Untersuchungskommission könnte das verhindern.
(Nina Kreuzinger, Andrea Lammers)

 

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Wo der Tod Teil der Landschaft ist" („La Voz Lenca No Se Calla“)

by Nina Kreuzinger & Andrea Lammers

HD 16:9 / color, OV Spanish with German subtitles / 37 min; HN, AT / 2013

 

Ein Dokumentarfilm über Berta Cáceres und ihre Arbeit mit COPINH.

 

 

Politischer Mord: Die COPINH-Gründerin und Menschenrechtsaktivistin Berta Cáceres wurde in der Nacht auf den 3. März 2016 mit vier Schüssen in ihrem Haus aus dem Leben gerissen. Einen Tag vor ihrem 43.Geburtstag. Ihr Begleiter Gustavo Castro, ein Kollege von der Organisation Otros Mundos aus Chiapas Mexiko, wurde verwundet. Berta Cáceres, Koordinatorin der indigenen Menschenrechts-organisation COPINH und vierfache Mutter setzte sich vehement gegen Landraub, Flussprivatisierungen und für die Rechte der indigenen Bevölkerung und der Frauen ein. Immer wieder war Cáceres Todesdrohungen ausgesetzt, besonders wegen ihres Einsatzes gegen das Staudammprojekt Agua Zarca am heiligen Lenca-Fluss Gualcarque. Für diesen Einsatz wurde sie erst 2015 mit dem Goldman-Umweltpreis  ausgezeichnet.

 

Der Mord an Cáceres sorgt weltweit für Schlagzeilen. Es besteht dringlich Handlungsbedarf seitens der internationalen Behörden hinsichtlich

  • Schutzmaßnahmen für den Augenzeugen Gustavo Castro, der nach wie vor von den Behörden in Hondurasfestgehalten und  abgeschottet wird und extrem gefährdet ist,
  • Sicherheitsmaßnahmen für die Familienangehörigen und COPINH-Mitglieder,
  • der unmittelbaren Installation einer internationalen, unabhängigen Untersuchungskommission,
  • der Forcierung des Ausstiegs der beteiligten internationalen Banken und Firmen aus dem Agua Zarca-Projekt. (Stand 10. März 2016)

 

 

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ZUM PROJEKT "HONDURAS-JOURNALISTINNEN-DELEGATION"

Radio La Voz Lenca, © Nina Kreuzinger, 2012.
Radio La Voz Lenca, © Nina Kreuzinger, 2012.

 

 

Langfristige journalistische Arbeit in Kombination mit Menschenrechtsbeobachtung und Advocacy-Funktionen: Meine Kollegin Andrea Lammers und ich schlossen uns 2012 der „Honduras-JournalistInnen-Delegation“ an. Diese Form der Zusammenarbeit ehrenamtlicher, unabhängiger Engagierter aus Deutschland und Österreich stellte zu diesem Zeitpunkt ein neuartiges „Hybrid-Projekt“ dar.

 

Ziel und Aufgabe war es, im Vorfeld der Präsidentschaftswahlen im November 2013 die in Europa kaum vorhandene Berichterstattung über die Situation in Honduras zu erweitern. Denn mit dem linksreformerischen Präsident Mel Zelaya, der 2009 über Nacht aus dem Amt geputscht wurde, gingen auch die Hoffnungen auf Demokratie und Rechtsstaat verlustig.

 

Gleichzeitig hatte sich eine starke Widerstandsbewegung formiert: Im Rahmen unserer zweimonatigen Recherchereise begleiteten Andrea Lammers und ich kritische JournalistInnen wie Dina Meza oder Umweltaktivistin Berta Cáceres und ihre KollegInnen der Menschenrechtsorganisation COPINH.

 

Wir waren multimedial tätig, deckten also die Bereiche Text, Fotografie, Audio und Video ab. Während unseres Aufenthalts in Honduras haben wir bereits zahlreiche Beiträge und Fotos aktuell auf dem Delegationsblog hondurasdelegation.blogspot.co.at veröffentlicht.

 

Schließlich sind nicht nur Reportagen und Berichte für verschiedene, internationale Medien (Print, Online, TV, Radio) entstanden. Wir konnten durch unsere konzentrierte, langfristige Arbeit den sonst üblichen Wirkungskreis erweitern: Zurück in Wien gewannen wir Kooperationspartner wie FIAN, die Informationsgruppe Lateinamerika  (IGLA) und Reporter ohne Grenzen. So wurde eine Einladung der kritischen Journalistin und Menschenrechtsverteidigerin Dina Meza im April 2013 nach Wien möglich. Meza ist in Honduras schweren Bedrohungen ausgesetzt und wurde deshalb von der Uni York zu einem Exilaufenthalt bis Anfang Mai diesen Jahres eingeladen (siehe Reportage und Interview in Press Freedom Now).

 

Wir organisierten mit FIAN/IGLA und Reporter ohne Grenzen auch einige Advocacy-Termine, bei denen Dina Meza über die Menschenrechtsverletzungen in ihrem Land berichterstatten konnte (im Außenministerium u.a., siehe unten) und folgende zwei Veranstaltungen:

 

1) am 17.4. 2013 im Afro-Asiatisches Institut, 1090 Wien, Moderation: Erhard Stackl, Der Standard
; eine Kooperation von FIAN / IGLA / Honduras-JournalistInnen-Delegation



  Honduras – Ein Land im Ausverkauf. Bevor das Palmöl zu uns fließt, fließt in Zentralamerika Blut
.

 

Palmöl steckt nicht nur in Kosmetika und Nahrungsmitteln, sondern auch im sogenannten „Biodiesel“. Palmöl ist aktuell so begehrt, dass es sich für Großgrundbesitzer und transnationale Unternehmen lohnt, neue Ölpalm-Monokulturen anzulegen und dafür riesige Flächen an sich zu reißen. Den Preis zahlen weltweit Kleinbauern und Kleinbäuerinnen: Schon über 90 Menschen starben im Zuge des Landkonfliktes. Dina Meza setzt sich seit Jahren für die Aufklärung der Geschehnisse und die Rechte der Betroffenen ein – und wird deswegen mit Folter und Tod bedroht.



 

2) am 22.4. 2013: Reporter ohne Grenzen-Pressegespräch im Presseclub Concordia mit Dina Meza
. Begrüßung: Rubina Möhring, Präsidentin RoG Österreich; Moderation: Erhard Stackl, Der Standard, Podium: Dina Meza, Andrea Lammers, Nina Kreuzinger (Honduras-JournalistInnen-Delegation)

„Nur internationale Aufmerksamkeit kann mein Leben schützen“
.

 

Dina Meza wurde aufgrund aktueller Lebensbedrohungen von der Universität York zu einem Exilaufenthalt eingeladen. Meza weist auf die Verantwortung der europäischen Regierungen; sie plädiert dafür, dass jene beim honduranischen Staat Rechenschaftspflicht einfordern, wo die Entwicklungsgelder denn hinfließen. Im Rahmen des Pressegesprächs in Wien berichtet sie außerdem: Über die Lage der Menschenrechte in ihrem Heimatland, ihre aktuelle Arbeitssituation und die wachsende Bedeutung alternativer Medien in Honduras.



 

 

Honduran Human Rights Defender and Journalist Dina Meza at Presseclub Concordia © H. Ronzheimer, 2013
Honduran Human Rights Defender and Journalist Dina Meza at Presseclub Concordia © H. Ronzheimer, 2013

 

 

 Anbei einige Medienberichte, die folglich erschienen sind:

Magazin des Österreichischen Journalisten Clubs
ÖJC, Statement, 2013_09.pdf
Adobe Acrobat Dokument 4.4 MB

 

Die Presse und Der Standard beziehen sich auf eine Sendung des Ö1-Reisemagazins „Ambiente“ zu Honduras, die kurz zuvor – am 21. April vormittags – ausgestrahlt worden war. Andrea Lammers und ich hörten diese und schrieben daraufhin die Ö1-Redaktion an, da in der Sendung nicht auf die aktuellen Schattenseiten und Schwierigkeiten des Landes eingegangen worden war. Zudem hatte ich Ö1-Außenpolitikchef Hartmut Fiedler im Vorfeld des Besuchs von Dina Meza angeschrieben  – und eine Absage erhalten: Das Thema sei interessant, man werde es aber nicht aufgreifen.

 

Auch dies zeigt die Notwendigkeit langfristiger, tiefgründiger Recherchemöglichkeiten für fundierten Journalismus – heute und in Zukunft. Umso wichtiger ist es, dass neue Kooperationsformen, die auch die Finanzierung der wirtschaftlichen Existenzbasis ermöglichen, entwickelt und gefördert werden (etwa: Journalismus / Wissenschaft / Dokfilm). Damit engagierte JournalistInnen ihre Aufgabe ohne PR-Zwänge und nicht nur vom Schreibtisch aus erfüllen können.

 

Im Rahmen von Dina Mezas Wien-Besuch wurden auch Advocacy-Empfänge möglich, bei denen sie politischen VertreterInnen über die Situation in Honduras berichten konnte. Auch erhielt sie konkrete Zusagen für mögliche Schutzmaßnahmen bezüglich ihrer eigenen Person. Wir begleiteten sie zu u.a. folgenden Terminen:

  • Im Außenministerium mit Gerhard Doujak, Leiter der Abteilung für Menschenrechte, und Daniela Sabetzer vom Bundeskanzleramt, Medienangelegenheiten.
  • Im Parlament sprachen wir mit zwei Vertreterinnen der Grünen – Alev Korun, Menschenrechtssprecherin, und Lenea Reuvers, Referentin für Außenpolitik, sowie mit der SP-Nationalratsabgeordneten Christine Muttonen.

 

In Gemeinschaftsarbeit brachte die Honduras-Delegation im Juni auch einen Foto-Interview-Band heraus: „Honduras – Stimmen gegen den Ausverkauf des Landes“, finanziert über eine Crowdfunding-Aktion (krautreporter.de).

 

Dina Meza wurde schließlich zur High Level Expert Conference "Vienna+20: Advancing the Protection of Human Rights" am 27. und 28. Juni 2013 in Wien eingeladen, an der sie auch teilnahm. Die Abgeordneten insbesondere der Grünen und SPÖ unterstützten Eilaktionen mit Schreiben an die honduranische Regierung. Zu den Wahlbeobachtungsvorbereitungen im Oktober 2013 fragte Alexander Rieger, österreichischer Botschafter in Mexico, um Kontaktaufnahme mit Dina Meza an.

 

Herzlichen Dank allen Ermöglichenden, Mitarbeitenden  und Unterstützenden.

 

Honduran activist and radio journalist Bertha Zúniga at the Parliament of Vienna © Nina Kreuzinger, 2015.

 

Im Mai/Juni 2015 kam Bertha Zúniga (oben im Bild) nach Deutschland und Österreich. Die Tochter von Berta Cáceres, COPINH-Frontfrau und Protagonistin unseres Dokufilms "Wo der Tod Teil der Landschaft ist", referierte über die "Green Economy"-Politik in Honduras  – Anlass war unter anderem der G7-Gipfel in Garmisch. Die Radiomacherin, Feministin und Aktivistin engagiert sich für die Rechte indigener Gemeinden und in der politischen Bildungsarbeit von COPINH. Zúniga, die in Kuba studiert hat, war erst kürzlich Opfer eines Entführungsversuches.

 

In Wien war sie unter anderem zu Gast im Radio ORANGE-Studio im Rahmen der Globale Dialoge - Women on Air:  Die soziale Basisorganisation COPINH - Ein antikapitalistisches, antirassistisches und antipatriarchales Gegenmodell in Honduras (Sendetermin: Di, 16. Juni 2015, 13.00 bis 14.00 Uhr). Im Südwind Magazin, 10/2015, erschien das Interview "Ständig bedroht und eingeschüchtert" von Manuel Preusser mit Bertha.

 

Ihre Mutter, Berta Cáceres, wird schließlich in der Nacht auf den 3. März 2016 ermordet (siehe ganz oben).